"Tanz der Sonne entgegen" Mela

Warum ich „Tanz der Sonne entgegen“ geschrieben habe:

 

Mein Mann meinte einmal zu mir: „Dein Po ist … viel weiblicher geworden…“, dabei deutete er mit seinen Händen einen wohlgeformten, relativ voluminösen Hintern an und grinste frech. Nun kennen wir uns beide schon seit Teenagerzeiten und er beobachtete jede meiner Veränderungen.
„Erkennst du etwa Ähnlichkeiten mit Kardashians- Kurven?“, gab ich süffisant zurück. „Schließlich bekam ich in den letzten zehn Jahren drei Kinder.“ Anfangs noch belustigt, zog ich mich daraufhin verletzt zurück.

Sofort kontrollierte ich im Spiegelbild, was er denn mit „weiblicher“ meinte.

 

Als Teenager fühlte ich mich immer wie ein kleiner Junge, wenig Brust und ein „Haxengeist“ – wie man es auf gut wienerisch nennt. Also lange, dünne Beine, die einfach nicht zum Rest des Körpers passten. Mit der Schwangerschaft meines ersten Kindes bekam ich endlich meine Traumoberweite.

 

In der Zeit nach der Schwangerschaft kämpfte ich plötzlich mit zu viel Kilos und empfand gerade die Dinge, die ich selbst vor kurzem an mir mochte, plötzlich als nicht mehr schön. Mit der Geburt meines zweiten und dritten Kindes kamen auch noch Rückenschmerzen hinzu und ich fühlte mich in meinem Körper nicht mehr wohl. Einfache Alltagsdinge wie: Kinder hoch heben oder Einkaufstüten schleppen wurden zur Qual. Mein Körper schmerzte und fühlte sich alt und schwach an. Das hatte sowohl mit den Veränderungen, die mit den Schwangerschaften einher gingen, als auch mit dem Thema, das ich in Restart, meinem ersten Buch verarbeitete, zu tun.

 

Selbstliebe, Selbstakzeptanz - waren zu dieser Zeit Fremdwörter für mich. 

 

Ich begann Texte, die ich viele Jahre zuvor schrieb, Gefühle und Gedanken, die mich begleiteten, zu verarbeiten. So entstand Restart, mein erstes Buch. Das Schreiben half mir mit Erlebnissen aus meiner Vergangenheit Frieden zu schließen.

 

Mit der Aufarbeitung des Restart -Themas verbesserte sich meine Psyche. Meinen Körper versuchte ich mit Sport fit zu bekommen. In der Zeit trainierte ich täglich und schlüpfte unbewusst in den Charakter meiner Hauptprotagonistin Lena. Ich ging mit mir selbst und meinem Körper hart ins Gericht. Plötzlich bekam ich viele Komplimente. „Toll, wie du nach drei Kindern aussiehst… was machst du, damit du schlank bleibst?“, fragten sie mich.

 

Fakt ist, dass mir kein Muskel den ich aufbaute, half, die Selbstzweifel wegzustemmen.

 

War das Ergebnis des vielen Trainings und die Komplimente die Definition von Zufriedenheit und Selbstliebe? Dann hatte ich mein Ziel verfehlt! 

 

Zum ersten Mal in meinem Leben erfuhr ich am eigenen Leib, dass schlank sein, nichts mit glücklich sein zu tun hatte.

 

Als ich mit Freundinnen darüber sprach, bemerkte ich schnell, dass fast jede Frau Probleme mit ihrem Körperbild hat. Egal wie perfekt sie sind, sie bemängeln ihr Erscheinungsbild und fühlen sich selbst minderwertig. Sei es zu wenig oder zu viel Busen, ein zu großer Bauch, burschikose Hüften, breite Hüften, Locken statt glattes Haar, Dehnungstreifen, zu groß oder zu klein gewachsen… ich könnte hier noch einiges aufzählen. Tatsache ist, dass all diese Äußerlichkeiten nichts mit Schönheit zu tun haben. Jedes noch so schöne Model wird Makel an sich finden.

 

In Wirklichkeit entsteht Schönheit in dir selbst.

In deinem Lachen, den leuchtenden Augen, wenn du über dich hinauswächst.

Das Herzklopfen, wenn du stolz auf dich bist.

Die Energie, die frei gesetzt wird, wenn du dich mit Dingen beschäftigst, die dich glücklich machen. Gedanken, die wertschätzend dir selbst gegenüber und anderen sind. Wenn du stolz und dankbar darauf bist was du bereits geleistet hast. Im Reinen mit dir selbst zu sein.

 

Ja, ich habe Dehnungsstreifen und mein Mamahüftgold passt sicherlich nicht mehr in die Hosen von früher... So what!? Aussortiert – mit all den kritischen Gedanken. Wenn ich jetzt Sport betreibe, dann damit es mir gut geht. Damit mein Geist sich in meinem Körper wohl fühlt. Weiblicher Po? Natürlich, ich bin schließlich eine Frau! (Was nebenbei gesagt ein Kompliment meines Mannes war, fasste ich natürlich als Kritik auf.) Mein Körper hat schließlich drei wundervollen Kindern den Platz zum Heranwachsen geschenkt. 

 

Ich schrieb „Tanz der Sonne entgegen“ um genau auf das Thema aufmerksam zu machen.

Kritik von außen ist oft sehr schmerzhaft, doch jene Kritik, die den Ursprung in uns selbst trägt, ist definitiv die härteste.

Mona entspricht nicht dem klassischen Schönheitsideal, wie es uns an jeder Ecke, in jeder Zeitschrift präsentiert wird. Sie hat Rundungen und dazu ein freches Mundwerk. Auch wenn sie auf viele Gemeinheiten einen flotten Spruch parat hat, nagen trotzdem Selbstzweifel an ihr. Mona bekam immer ein verfälschtes Schönheitsideal vor Augen gehalten. Neben ihrer erfolgreichen Schwester, einer Ballerina, fühlt sie sich plump, ungelenkig und wenig beachtet. Erst als sie auf Neal trifft, erkennt sie, wie einfach es sein kann, sich völlig frei zu bewegen, sich selbst anzunehmen und zu lieben. Nicht ihre Schwester, sondern sie selbst, war ihre größte Konkurrenz.   

 

Heute gibt es keine schöneren Komplimente für mich als zum Beispiel: „Du hast mich mit deinem Buch berührt“, oder „Du hast ein ansteckendes Lächeln“. 

 

In diesem Sinne…

 

#notwithoutmybody  – nicht ohne meinen Körper!